Es war ein ruhiger Nachmittag auf dem Moar Gut. Die Sonne schien warm vom Himmel, aber in Tonis Herz
Es war ein ruhiger Nachmittag auf dem Moar Gut. Die
Sonne schien warm vom Himmel, aber in Tonis Herz
fühlte sich alles ein bisschen grau an. Er saß still auf der alten Holzbank vor dem Stall, die Schultern
fühlte sich alles ein bisschen grau an. Er saß still auf
der alten Holzbank vor dem Stall, die Schultern
hingen ein wenig, und in seinen Händen hielt er ein kleines, zerknittertes Papierflugzeug. Sein bester
hingen ein wenig, und in seinen Händen hielt er ein
kleines, zerknittertes Papierflugzeug. Sein bester
Freund, Leo, war am Morgen abgereist. Zwei Wochen lang hatten sie jeden Tag zusammengespielt –
Freund, Leo, war am Morgen abgereist. Zwei Wochen
lang hatten sie jeden Tag zusammengespielt – im
im Heu getobt, mit den Ponys geritten, Geheimverstecke gebaut… Gusti, der Hofhahn, scharrte in der
Heu getobt, mit den Ponys geritten, Geheim-
verstecke gebaut… Gusti, der Hofhahn, scharrte in
Nähe im Kies und warf immer wieder einen Blick zu Toni. Schließlich watschelte er direkt zu ihm hin,
der Nähe im Kies und warf immer wieder einen Blick
zu Toni. Schließlich watschelte er direkt zu ihm hin,
pickte leicht gegen Tonis Bein und sagte: „He, du siehst aus, als hättest du einen Wurm verschluckt –
pickte leicht gegen Tonis Bein und sagte: „He, du
siehst aus, als hättest du einen Wurm verschluckt –
und zwar keinen guten.“ Toni lächelte schwach. „Ich vermisse Leo. Jetzt ist alles langweilig.“
und zwar keinen guten.“ Toni lächelte schwach.
„Ich vermisse Leo. Jetzt ist alles langweilig.“
Gusti schob sich das Gefieder zurecht und machte ein ernstes Gesicht. „Dann wird es Zeit für
Gusti schob sich das Gefieder zurecht und machte
ein ernstes Gesicht. „Dann wird es Zeit für einen
einen kleinen Ausflug“, sagte er geheimnisvoll. „Ich kenne da einen besonderen Weg. Einen, der
kleinen Ausflug“, sagte er geheimnisvoll. „Ich kenne
gegen Traurigkeit hilft.“ Neugierig, aber immer noch etwas still, stand Toni auf. Gemeinsam
da einen besonderen Weg. Einen, der gegen T
Traurigkeit hilft.“ Neugierig, aber immer noch etwas
gingen sie los – vorbei am Stall, über die Blumenwiese, und hinein in den kleinen Wald am Rande
still, stand Toni auf. Gemeinsam gingen sie los –
vorbei am Stall, über die Blumenwiese, und hinein in
des Resorts. Der Boden war weich unter den Füßen, und die Sonnenstrahlen blitzten golden durch
den kleinen Wald am Rande des Resorts. Der Boden
war weich unter den Füßen, und die Sonnenstrahlen
die Blätter. „Das ist der Freundschaftsweg“, sagte Gusti leise. „Er zeigt dir, dass Erinnerungen bleiben –
blitzten golden durch die Blätter. „Das ist der
Freundschaftsweg“, sagte Gusti leise. „Er zeigt dir,
und dass Freundschaft nie ganz verschwindet.“ Nach ein paar Schritten blieben sie stehen.
dass Erinnerungen bleiben – und dass Freundschaft
nie ganz verschwindet.“ Nach ein paar Schritten
An einem alten Baumstamm hing ein kleines Herz aus Zweigen und Gänseblümchen. „Oh!“, rief Toni
blieben sie stehen. An einem alten Baumstamm hing
ein kleines Herz aus Zweigen und Gänseblümchen.
überrascht. „Das haben Rosa und ich mal für Leo gebastelt! Da war er traurig – und wir wollten ihn
„Oh!“, rief Toni überrascht. „Das haben Rosa und ich
mal für Leo gebastelt! Da war er traurig – und wir
aufmuntern. “Gusti nickte zufrieden. „Siehst du? Freundschaft wächst überall.“ Ein Stück weiter
wollten ihn aufmuntern. “Gusti nickte zufrieden.
„Siehst du? Freundschaft wächst überall.“ Ein Stück
entdeckten sie Hufspuren im weichen Waldboden. „Das war unser letzter Ausritt mit Schneeflocke und
weiter entdeckten sie Hufspuren im weichen
Waldboden. „Das war unser letzter Ausritt mit
Naomi. Wir haben ein Wettrennen gemacht!“, erinnerte sich Toni und kicherte. „Leo ist fast vom Pferd
Schneeflocke und Naomi. Wir haben ein Wettrennen
gemacht!“, erinnerte sich Toni und kicherte. „Leo ist
gefallen, weil er so gelacht hat.“ Langsam wurde Tonis Herz ein bisschen leichter. Sie gingen weiter, bis
fast vom Pferd gefallen, weil er so gelacht hat.“
Langsam wurde Tonis Herz ein bisschen leichter. Sie
sie an eine kleine Lichtung kamen. Dort lag er – fast ganz unter Moos versteckt: Der Freundschaftsstein.
gingen weiter, bis sie an eine kleine Lichtung kamen.
Dort lag er – fast ganz unter Moos versteckt: Der
Toni bückte sich und wischte ihn vorsichtig ab. Der flache Stein war bunt bemalt – auf einer Seite war
Freundschaftsstein. Toni bückte sich und wischte
ihn vorsichtig ab. Der flache Stein war bunt
ein lachendes Gesicht, auf der anderen stand in krakeliger Kinderschrift: „Beste Freunde – Leo & Toni“.
bemalt – auf einer Seite war ein lachendes Gesicht,
auf der anderen stand in krakeliger Kinderschrift:
„Den haben wir hier versteckt, als wir uns geschworen haben, immer Freunde zu bleiben. Auch wenn wir
„Beste Freunde – Leo & Toni“. „Den haben wir hier
versteckt, als wir uns geschworen haben, immer
weit weg voneinander wohnen.“ Gusti sah ihn mit weichen Augen an. „Manchmal“, sagte er leise, „muss
Freunde zu bleiben. Auch wenn wir weit weg
voneinander wohnen.“ Gusti sah ihn mit weichen
Augen an. „Manchmal“, sagte er leise, „muss man
man sich nur erinnern, dass Freundschaft bleibt – auch wenn man sich nicht jeden Tag sieht.“ Toni strich
sich nur erinnern, dass Freundschaft bleibt – auch
wenn man sich nicht jeden Tag sieht.“ Toni strich
über den Stein und lächelte. Dann setzte er sich ins Gras, und Gusti kuschelte sich neben ihn. Sie
über den Stein und lächelte. Dann setzte er sich ins
Gras, und Gusti kuschelte sich neben ihn. Sie
schauten gemeinsam in den Himmel, wo ein paar Wolken wie Segelschiffe vorbeizogen. „Du bist auch
schauten gemeinsam in den Himmel, wo ein paar
Wolken wie Segelschiffe vorbeizogen. „Du bist auch
mein Freund, Gusti“, sagte Toni schließlich. „…und Rosa ist auch noch da.“ „Natürlich!“, gackerte Gusti
mein Freund, Gusti“, sagte Toni schließlich. „…und
Rosa ist auch noch da.“ „Natürlich!“, gackerte Gusti
stolz. „Und ich bin sogar ziemlich gut im Trösten. Ich habe eine Tröster-Feder!“ Er zupfte sich eine
stolz. „Und ich bin sogar ziemlich gut im Trösten.
Ich habe eine Tröster-Feder!“ Er zupfte sich eine
besonders flauschige kleine Feder vom Bauch und legte sie Toni in die Hand. „Fürs Wiederlächeln“, sagte er.
besonders flauschige kleine Feder vom Bauch und
legte sie Toni in die Hand. „Fürs Wiederlächeln“, sagte
Toni drückte sie fest an sich. Und so lagen sie da – zwischen Moos, Erinnerung und Vogelgezwitscher –
er. Toni drückte sie fest an sich. Und so lagen sie da –
und das Grau in Tonis Herz war einem warmen, hellen Gefühl gewichen. Dem Gefühl, dass Freundschaft
zwischen Moos, Erinnerung und Vogelgezwitscher –
und das Grau in Tonis Herz war einem warmen,
nichtaufhört, wenn jemand geht. Sie bleibt. Still, stark und immer bereit, wieder zu leuchten.
hellen Gefühl gewichen. Dem Gefühl, dass Freund-
schaft nicht aufhört, wenn jemand geht. Sie bleibt.
Still, stark und immer bereit, wieder zu leuchten.